Heute, morgen oder doch erst nächsten Montag?

Ein sehr persönlicher Blogpost, mit (m)einer ganz persönlichen Geschichte..

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Wie viele von euch wahrscheinlich schon länger wissen, hatte ich mal deutlich mehr auf den Hüften als aktuell.
Ich habe auf Instagram auch nie ein Geheimnis daraus gemacht. Warum auch, ist doch eigentlich etwas worauf man stolz sein könnte oder?

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Trotzdem kennen die wenigsten meine Geschichte und wie es mir in dieser Zeit wirklich gegangen ist. Probleme? Hochs und Tiefs? Abende die du alleine, weinend im Bett verbracht hast? Sonntage an denen du mit deinen Freunden draußen bist und Spaß hast, als ob die Welt vollkommen in Ordnung wäre? Kenne ich alles.
Ich weiß, in der Welt gibt es viel größere Probleme und wir sollten mehr als zufrieden mit unserem Leben sein, jedoch war das eine Zeit die mich sehr stark geprägt hat und ich sie deshalb mit euch teilen möchte.

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Als ich nach der Schule mit meiner Ausbildung angefangen hatte, war das am Anfang ziemlich stressig für mich. Meine Arbeit war in München, d.h. ich musste jeden Morgen & Abend ungefähr 1 Stunde mit dem Zug fahren. Noch früher aufzustehen, um mein Essen vorzubereiten? Definitiv Fehlanzeige. In der Mittagspause gab’s also Kantinenessen. Einfach, simpel und braucht nicht viel Zeit. Das ich davon nach einiger Zeit zugenommen habe, erklärt sich denke ich von selber.

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Nach knapp zwei Jahren hatte ich meine Education beendet und mich dazu entschieden, drei Tage die Woche mit meiner Mama gemeinsam in unserem Modestore zu arbeiten. Nebenbei habe ich an der Akademie Handel in München meinen Fachwirt gemacht. Das alles passierte im Jahr 2013 und genau da kam auch der Tag, der alles verändert hat. Ich kann euch nicht mehr sagen, welches Datum es war, ich weiß nur noch, es war im Mai, kurz vor meinem 19. Geburtstag.

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Ich saß am Abend vor meinem Pc und wurde durch irgendeine Werbung auf ein Abnehmprogramm aufmerksam. Ungeplant. Klar hatte ich schon das ein oder andere Mal über eine Diät nachgedacht, aber mich nie wirklich damit auseinandergesetzt. Ich wurde also mehr oder weniger ungewollt damit konfrontiert.

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Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mir die Seite gar nicht lange angeschaut, irgendetwas hat mich sofort überzeugt, so dass ich es ohne großes nachdenken gekauft habe. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass ich gerade ca. 300 € für ein zehnwöchiges Sportprogramm ausgegeben hatte. Ich soll 70 Tage lang diszipliniert sein? Keine Pizza? Kein Alkohol? Sport? Was habe ich mir nur dabei gedacht.

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Ich hatte also zwei Tage Zeit, bis meine Lebensveränderung anfangen sollte. Das erste was ich am nächsten Morgen tat, als ich im Laden stand, war meine Mama anzurufen. Ich erzählte ihr, ich möchte ab sofort disziplinierter sein und mein Essverhalten verändern. Sie war schon immer eine der wichtigsten Personen in meinem Leben und hat mich unterstützt wo sie konnte.

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Heute, morgen oder doch erst nächsten Montag?

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Nach der Arbeit fuhr ich also ins nächste Fitnessstudio und kaufte Proteine und Supplements, von denen ich absolut keine Ahnung hatte. Wie auch? Sport war für mich ein Fremdwort.

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Dann noch schnell in den Supermarkt gelaufen und alles eingepackt was laut Ernährungsplan erlaubt war.

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So, da war er also, der Tag der mir zu einem glücklicheren Leben verhelfen sollte. Aber warte mal, war da nicht noch etwas? Mein erster Gedanke war das Frühstück, jedoch wurde der schnell von einer schrecklichen Erinnerung überdeckt. Die Waage. “Oh mein Gott. Ernsthaft? Ich glaube das kann ich nicht” dachte ich bestimmt eine halbe Stunde lang. Ich hatte aber eigentlich keine Wahl. Ich lief also ins Badezimmer und stellte mich einfach drauf. “Wird schon nicht allzu schlimm sein”, hoffte ich. Fehlanzeige. 91,1kg. Einundneunzig-Kommer-Ein-Kilo. Ich dachte ich falle vom Glauben ab. Naja, das war wohl jetzt eine Tatsache mit der ich mich abfinden musste.

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Ich ging also in die Küche, und hoffte dass mir einfach niemand über den Weg läuft. Dass es mir an dem Tag nicht gut ging, könnt ihr euch wahrscheinlich denken.

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Ich bereitete also mein Frühstück vor und startete in den Tag. Meine erste Sporteinheit war eine totale Katastrophe, allerdings war ich super stolz auf mich selber, dass ich es durchgezogen hatte.

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Nachdem du bei diesem Programm einen ziemlich genauen Ernährungs- und Sportplan hast, musst du gar nicht viel selber über alles nachdenken. Das war für mich zu diesem Zeitpunkt die perfekte Lösung.
Ich tat also einfach jeden Tag, was auf meinem Plan stand & konnte wöchentlich beobachten, wie sich mein Körper veränderte. Nach den ersten 70 Tagen hatte ich dann ungefähr 15 Kilo abgenommen.

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Klar habe ich mich sehr gefreut, jedoch war in meinem Kopf immer wieder der Gedanke, dass da noch viel mehr gehen muss.
Ich startet also eine zweite Runde. Wieder 70 Tage. Meine Freunde und Familie waren sehr stolz auf mich, haben aber auch gemerkt, wie schwer mir die Zeit doch gefallen ist. Essen gehen mit Freunden? Zusammen kochen? Alles nicht so einfach, da ich ja immer alles penibel abwiegen sollte. Ich hatte mich also definitiv etwas von allem distanziert und muss zugeben, dass ich sehr gereizt war, wenn es um das Thema ging.

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Nach weiteren zehn Wochen hatte ich wieder ungefähr 7-8 Kilo abgenommen.

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Wow, werdet ihr euch jetzt denken. Mir hat das jedoch wieder nicht gereicht. Ich startete also mit einer dritten Runde. Klingt total übertrieben, war zu dem Zeitpunkt auch. Gesagt & getan. Ich hatte zu derzeit einen Freund an meiner Seite, der genau das Gegenteil von mir war, er hat sein Leben in vollen Zügen genossen und meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Er war auch der Grund, warum ich die dritte Runde nach der Hälfte beendet habe.

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Heute, morgen oder doch erst nächsten Montag?

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Ich hatte ungefähr 66-67 Kilo, es war jedoch wieder mal nicht genug. Wenn ich das jetzt schreibe, denke ich wirklich, ich hatte zu dieser Zeit ein großes psychisches Problem. Ich konnte einfach nicht zufrieden mit mir selber sein oder stolz auf meine bisherige Leistung. All das hat sich natürlich auch auf mein privates Umfeld ausgewirkt. Ich war einfach nicht glücklich wie früher und konnte ausgelassen mit meinen Freunden zusammen sein.

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Meine Ernährung nach 2,5 Runden fiel mir sichtlich schwer. Wie sollte es auch anders sein, ich hatte schließlich knapp 25 Wochen einen ganz genauen Plan an den ich mich halten konnte.

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Meine Freunde und Familie waren mir zu dieser Zeit eine riesengroße Hilfe. Anfangs habe ich einfach routinemäsig nach Plan gegessen, so konnte das aber definitiv nicht weitergehen. Ich hatte Angst einen Apfel zu mir zu nehmen, wenn dieser nicht vorgegeben war.

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Um nicht groß drum rum zu reden, die nachfolgenden Wochen waren eine Katastrophe. Mir ging es körperlich um psychisch wahnsinnig schlecht. Traurig. Doch irgendwann kam der Umschwung. Mein bester Freund hat oft zusammen mit mir gekocht und wir sind gemeinsam Essen gegangen.

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Heute, morgen oder doch erst nächsten Montag?

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Meine engsten Bezugspersonen haben mir immer wieder gesagt, wie toll ich doch aussehe und das ich bitte einfach nur zufrieden damit sein soll, was ich in den letzten Wochen erreicht hatte.

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Ohne diese Menschen, da bin ich mir sicher, wäre ich jetzt nicht da wo ich bin. Ich kann glücklich und zufrieden mit Leuten zum Abendessen gehen, ein Glas Wein trinken, ohne die nächsten zehn Tage ein schlechtes Gewissen deshalb zu haben.

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Heute, morgen oder doch erst nächsten Montag?

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Versteht mich bitte nicht falsch, die Zeit mit dem Programm hat mein Leben verändert. Ich bin mit meinem Körper jetzt wirklich zufrieden. Trotzdem muss ich zugeben, dass dieses strikte nach Plan essen, nicht für jeden etwas ist. Mich hat das psychisch wahnsinnig mitgenommen und ohne die Unterstützung der Leute um mich rum, wäre es nach hinten losgegangen.

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Ich bin 22 und der Meinung, ich muss aus meinem Leben alles rausholen was nur möglich ist. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung gehört für mich definitiv dazu. Trotzdem möchte ich auch Abende mit meinem Freund verbringen können, an dem wir eine Flasche Wein trinken und Pizza essen, ohne Gedanken an Reue zu haben. An diesem Punkt bin ich jetzt. Glücklich. Zufrieden. Sogar ein kleines bisschen stolz.

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